August 2006

Astrologie und Liebealtjunges paar

Der Trend zum jüngeren Mann
Sind sie die besseren Partner?

von Gaby Rehmet

Mittlerweile begegnet es uns überall. Von Promis bis zu den Nachbarn, Frauen greifen zum jüngeren Mann. Fast könnte man dieses „Mrs.-Robinson-Phänomen“ als einen neuen Trend bezeichnen. Doch auch diese Art der Partnerschaft hat ihre Tücken. Denn trotz aller Offenheit und Toleranz, die alten Tabus sitzen noch fest in unseren Köpfen.

Liz Taylor und Joan Collins machten es vor und viele folgten ihnen im Laufe der Jahre nach: Madonna, Demi Moore, Vivienne Westwood, Susann Sharandon. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile prominente Beispiele. Birgit Schrowange, Liza Fitz oder auch Uschi Glas lieben ungewöhnlich: einen wesentlich jüngeren Mann!

Die Zahl der Verbindungen zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann hat kontinuierlich zugenommen. So haben laut Statistik 2003 in der BRD 80.000 Frauen ihren jüngeren Partner geheiratet. Das entspricht einem Anteil von 20% aller Eheschließungen.

Im November 2004 ließ das „Neue Blatt“ vom Gewis-Institut eine Umfrage starten. 1089 Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren wurden gefragt, ob sie sich eine Beziehung mit einem jüngeren Mann vorstellen könnten. 75% der Befragten bejahten dies. Ob man angesichts solcher Zahlen noch von Ausnahmen reden kann? Wer übrigens glaubt, dass es nur die Frauen sind, die von einem jüngerem Partner schwärmen, der irrt. Die Zeitschrift „freundin“ ließ 2005 2051 Männer zwischen 20 und 59 Jahren nach einer Beziehung zu einer älteren Frau befragen befragen. Erstaunlicherweise konnten sich 77% der 20- bis 29-Jährigen dies gut vorstellen. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 72%. Mit zunehmendem Alter wurde die Zahl der Akzeptanz allerdings geringer. 63% der 40- bis 49-Jährigen und 56% bei den 50- bis 59-Jährigen. Das ist aber immerhin doch noch mehr als die Hälfte bei den älteren Männern.

Viele sprechen daher von einem neuen Trend. Doch ob man das wirklich so stehen lassen kann? Vor nicht allzu langer Zeit, fiel so eine Beziehung in den Bereich der Tabuthemen. In den USA waren solche Frauen als „Nesträuberinnen“ verschrien, sie würden quasi „die Wiege ausrauben“. Man unterstellte den Frauen Sexbessenheit und Torschlusspanik. Aber auch die Männer kamen nicht gut dabei weg. Sie wurden tituliert als Pantoffelhelden, Ödipussi, Prinzgemahl oder Muttersöhnchen.

Es sieht so aus, als hätte sich in unseren Tagen einiges an dieser Einstellung verändert. Sicherlich ist es in vielerlei Hinsicht „normaler“ geworden. Zumindest nach außen und allgemein gefragt, stehen die meisten solch einer Beziehung offener und toleranter gegenüber, als das noch vor einigen Jahren der Fall war.

Allerdings ist es schon wichtig, wie groß der Altersunterschied ist. Bei ein, zwei Jahren gilt es fast noch als Gleichaltrigkeit und bis hin zu fünf, vernachlässigen die meisten diesen Altersunterschied. Problematisch wird es ab einer Differenz von mehr als 15 Jahren. Da hört dann oft das Verständnis auf. Eigentlich komisch, da doch kaum jemand sich ereifert, wenn ein 60-Jähriger eine 30-Jährige ehelicht. So ganz ist das Tabu nämlich nicht aus unserem Bewusstsein verschwunden. Auch wenn wir uns gerne weltoffen und modern geben.

Vielleicht mal ein kleiner Denkanstoß aus der deutschen Politik: Kaum einer nahm Anstoß an Ex-Bundeskanzler Schröder und seinen jüngeren Gemahlinnen oder etwa an Ex-Außenminister Fischer. Was würde wohl passieren, wenn Bundeskanzlerin Merkel sich scheiden ließe, um einen 15 Jahre Jüngeren zu heiraten? Kaum vorstellbar, dass nicht ein kollektiver Aufschrei der Entrüstung durch ganz Deutschland fegen würde.

Aber es ist nicht nur die Differenz an Jahren, die für die Einordnung solch einer Beziehung wichtig ist. Es ist auch das Lebensalter allgemein. So ist es nachweislich belegt, dass junge, unerfahrene Frauen eine Beziehung zu einem älteren Mann bevorzugen. Unsicherheit sich selbst und dem Leben gegenüber, wirtschaftliche Abhängigkeit oder Prestigedenken spielen dabei ganz entscheidend mit. Das über Jahrhunderte erfolgreiche patriachalische System hat deutliche Spuren im Unterbewussten der Menschen hinterlassen. Da kann die vergleichsweise doch recht „junge“ Emanzipation der Frau recht wenig dran ändern. Eine Grund-regel dieses Systems besagt, der Mann müsse über mehr Erfahrung, Erfolg, Macht und Geld verfügen als seine Auserwählte. Um diese Ansprüche erfüllen zu können, braucht er natürlich ein paar Jahre Vorsprung, denn von Heute auf Morgen lässt sich so etwas nun mal nicht erarbeiten. Der Vorsprung an „Macht“ und Lebenserfahrung sichert dem Mann eine gewisse Überlegenheit. Schon klar, dass viele Männer sich auf dieser Position gut fühlen. Ob sie allerdings mit diesem ständigen Anspruch an die eigene Vormachtstellung nicht überfordert sind, sich nicht selber ausbrennen mit der Anforderung an sich selbst, immer der „Taffe“ sein zu müssen? Und erst recht hat man nicht danach gefragt, wieviel Spaß es eigentlich den Frauen macht, die Unterlegene zu sein. Eigene Stärken und Fähigkeiten zurückzuschrauben, um die Vormachtstellung des Gatten nicht zu gefährden. Allerdings wissen wir ja alle aus eigenen Erfahrungen oder durch unser Umfeld, dass die Frauen über Jahrhunderte ihre Taktiken und Methoden entwickelt haben um gerade jene männliche Überlegenheit dennoch zu unterlaufen.

Ältere Frau - jüngerer Mann, eine Beziehung mit Vorurteilen

Sicher ist jedenfalls etwas dran an dem alten Lateinerspruch: quod licet jovi, non licet bovi (frei übersetzt - was sich Gott Jupiter erlaubt, gilt noch lange nicht für jeden Ochsen!). Und so ist es schon ein Unterschied, ob sich irgendeine Popikone oder Superschauspieler-in einen Jüngeren „leistet“, oder ob das unser Lieschen Müller aus der Nachbarschaft macht. Denn Berühmtheiten haben so was wie einen „Exzentritätsbonus“, der den „Normalos“ verweigert wird. Somit haben solche Paare meistens mit ganz schön Gegenwind zu rechnen. Ein ganzer Sack voller Vorurteile wird von Verwandten und Freunden über ihnen ausgeleert. Da heißt es dann auf der einen Seite, er nutzt sie nur aus, während auf der anderen Seite sie ihn angeblich gar nicht ernst nähme. Dann wären die Lebensphasen (gemeint ist damit wohl die Entwicklung) zu verschieden. Wobei dieser Punkt beim Paar „Er älter - sie jünger“ kaum beachtet wird. Ganz klar natürlich auch, sie will „nur“ Sex, während es bei ihm wohl „nur“ um ihr Geld geht. Tja, mit dem Vorurteil darf sich allerdings auch die umgekehrte Paarung herumschlagen. Ein anderer Punkt ist, sie würde ihn nicht als „Mann“ akzeptieren, denn an einen jüngeren Partner könne man sich schließlich nicht anlehnen. Auf lange Sicht wird Frau daher auch keine Erfüllung bei ihrem Partner finden. Und das Horrorargument schlechthin, irgendwann ist sie ihm zu alt und er wird sich eine jüngere Frau suchen. Was für ein Glück, dass dieser Trennungsgrund bei den gleichaltrigen Paaren und den Männern mit jüngeren Frauen nie vorkommt! Es gibt jedoch einen klaren Fakt, der wirklich gegen eine solche Verbindung sprechen kann und der nichts mit einem Vorurteil zu tun hat. Wenn nämlich die Frau über das gebärfähige Alter bereits hinaus ist, und sich der jüngere Partner noch eigene Kinder wünschen würde. Daran gibt es nichts zu deuteln. Da sind gleichaltrige Paare oder er älter sie jünger nun mal im Vorteil.

Uranus lässt uns die Wahl

Das Selbstbild, das Frauen von sich haben, hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Fast scheint es so, dass dieser „Trend zum jüngeren Mann“ ein Ausdruck dafür ist. Frauen sind selbstbewusster und selbstbestimmter geworden. Sie verfügen über eine gute Ausbildung, verdienen ihr eigenes Geld, sind sich oft ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst. Daher wundert es auch nicht, dass Männer immer seltener in ihrer früheren Funktion als Beschützer gebraucht werden. Auch äußerlich tun Frauen heute viel für sich und bleiben damit lange attraktiv und erotisch. So sagt die Paartherapeutin Claudia Sies: „Ältere Frauen sind gelassener, sexuell erfahrener und haben bereits einen klaren Lebensentwurf im Kopf.“ Gerade das macht sie auch für jüngere Männer attraktiv, die eben diese Ausgeglichenheit und Abgeklärtheit zu schätzen wissen. Nicht jeder Mann steht nämlich auf hysterische Anfälle mit Krokodilstränen und Schmoll-mündchen.

Und jüngere Männer haben eindeutig auch Vorteile gegenüber ihren älteren Geschlechtsgenossen zu bieten. Dazu noch mal Claudia Sies: „Junge Männer sind flexibler, spontaner und gedanklich offen für Neues....... Wenn Männer beruflich festgefahren sind und sich nicht mehr um die Beziehung bemühen, langweilen sich Frauen schnell.“

Selbstbewusste, starke Frauen können sich immer schlechter an die alten patriachalischen Regeln anpassen. Vielleicht ein Zeichen des immer stärker wirkenden Uranus im Wassermannzeitalter, dass Veränderungen stattfinden müssen. Die Tendenz geht hin zu wirklicher Gleichberechtigung und einem fairen, partnerschaftlichen Verhalten untereinander. Das geht nur auf einer Stufe der Gleichwertigkeit.

Doch wenn wir schon Uranus heranziehen wollen, dann sollten wir das konsequent tun. Das bedeutet individualistisch. Damit ist nicht der Trend wichtig, sondern das einzelne Paar. Die Wahlmöglichkeiten der Menschen sind freier geworden. Ob jüngerer oder älterer Partner, wirklich entscheidend für einen Menschen ist der Charakter, seine ganze Persönlichkeit. Ihn allein auf sein Alter als Auswahlkriterium zu beschränken, wäre genauso unsinnig, wie das nach Intelligenz oder nach Haarfarbe zu tun. Uranus schenkt uns neue Alternativen dazu. Dazu im Sinne von mehr Auswahl. Ob man diese Möglichkeiten nutzen möchte oder nicht, darf jeder für sich selbst entscheiden.